Wissen 2

The Practical Origins of Ideas: Genealogy as Conceptual Reverse-Engineering

Oxford: Oxford University Press. 2021. doi:10.1093/oso/9780198868705.001.0001

Warum wurden so hoch abstrakte Ideen wie Wahrheit, Wissen oder Gerechtigkeit für uns so wichtig? Wozu kam es, in diesen Begriffen zu denken? In The Practical Origins of Ideas präsentiert Matthieu Queloz eine philosophische Methode, die solche Fragen beantworten soll: die Methode der pragmatischen Genealogie. Pragmatische Genealogien sind teils fiktionale, teils historische Erzählungen, die erkunden, was uns dazu gebracht haben könnte, bestimmte Ideen zu entwickeln, um herauszufinden, was sie für uns leisten. Das Buch legt eine unterschätzte Tradition pragmatischer Genealogie frei, die die analytisch–kontinentale Grenze überschreitet, von den Naturzustandserzählungen David Humes und den frühen Genealogien Friedrich Nietzsches bis zu neueren Arbeiten der analytischen Philosophie von Edward Craig, Bernard Williams und Miranda Fricker. Diese Genealogien verbinden jedoch Fiktionalisierung und Historisierung auf eine Weise, die selbst Philosophen, die der Verwendung von Naturzustandsfiktionen oder realer Geschichte gegenüber aufgeschlossen sind, oft rätselhaft erschienen ist. Um zu verstehen, warum sowohl Fiktionalisierung als auch Historisierung erforderlich sind, entwickelt das Buch eine systematische Theorie pragmatischer Genealogien als dynamische Modelle, die dazu dienen, die Punkte von Ideen rückzuentwickeln – im Hinblick nicht nur auf nahezu universelle menschliche Bedürfnisse, sondern auch auf sozial‑historisch situierte Bedürfnisse. So kann die Methode Erklärung ohne Reduktion bieten und verständlich machen, was unsere Ideen dazu brachte, die Spuren ihrer praktischen Ursprünge abzulegen. Weit davon entfernt, normativ inert zu sein, kann pragmatische Genealogie zudem den Raum der Gründe beeinflussen, indem sie Versuche anleitet, unser begriffliches Repertoire zu verbessern und uns hilft zu bestimmen, ob und wann unsere Ideen es wert sind, beibehalten zu werden.

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Genealogy and Knowledge-First Epistemology: A Mismatch?

The Philosophical Quarterly 69 (274): 100–120. 2019. doi:10.1093/pq/pqy041

Timothy Williamsons Knowledge‑First‑Erkenntnistheorie behauptet, dass der Wissensbegriff primitiv und erklärungsmässig fundamental ist. Das scheint wenig Raum für Versuche zu lassen, eine genealogische Erklärung des Wissensbegriffs zu geben – erst recht nicht für solche, die die Entstehung des Wissensbegriffs, wie bei E. J. Craig, in Begriffen des Glaubensbegriffs erklären. Ich argumentiere jedoch, dass Craigs Genealogie des Wissensbegriffs nicht nur mit der Knowledge‑First‑Erkenntnistheorie vereinbar ist, sondern sie tatsächlich stützt.

Craig, Erkenntnistheorie, Genealogie, Methodologie, Williams, Wissen

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