Systematizers: Reason, Machines, and the Rise of Systematic Thought in Early Modern Philosophy, 1500–1800

Buchmanuskript.

Philosophinnen und Philosophen behandeln den Drang zu systematischem Denken oft so, als sei er eine zeitlose Forderung der Rationalität. Demgegenüber warnt eine Gegentradition davor, dass dieser „Wille zum System“ zum Ersatz für moralischen Charakter werden, einem ästhetischen Fetisch entspringen oder sich in eine gefährliche Maschine der Universalisierung verwandeln kann. Als Antwort auf diese Kritiker der Systematisierung rekonstruiert das Buch genealogisch das Ideal kognitiver Systematizität zwischen 1500 und 1800 und fragt nicht nur, wie das Denken systematisch wurde, sondern auch, warum.

Gegen die geläufige historische Erklärung, Systeme seien vor allem gebaut worden, um den metaphysischen Bauplan eines vernünftig eingerichteten Universums abzubilden, argumentiert das Buch, dass frühneuzeitliche Denker die Forderung nach kognitiver Systematisierung einführten, um die Vorzüge gut gebauter Maschinen nachzuahmen. Indem sie kognitive an mechanischen Tugenden ausrichteten, verlagerten diese Systematiker die Autorität des Wissens von den inneren, persönlichen Dispositionen einzelner Denker — dem habitus — auf verselbständigte, ausserhalb der Person verankerte Architekturen. Anhand historischer Fallstudien, die von Ramus und Keckermann über Descartes, Hobbes, Spinoza und Cavendish sowie Leibniz, Newton und Du Châtelet bis hin zu Diderot, D’Alembert, Rousseau und Kant reichen, arbeitet das Buch drei verschiedene praktische Beweggründe dieser Mechanisierung des Denkens heraus:

  • Der pädagogische Beweggrund: Systematisierung machte Wissen vermittelbar.
  • Der erkenntnistheoretische Beweggrund: Systematisierung machte das Denken selbstbeglaubigend und selbstkorrigierend.
  • Der politische Beweggrund: Systematisierung machte öffentliche Autorität rechenschaftspflichtig, administrierbar und fair.

So sehr diese Beweggründe den systematischen Impuls als praktische Notwendigkeit statt als blosse Marotte rechtfertigen, so zeichnet die Genealogie doch auch eine Gegentradition nach — von Margaret Cavendishs Vitalismus über Diderots Polyphonie bis hin zu ethischen Kritiken im hegelschen Fahrwasser —, die die Kosten einer allzu weit getriebenen Orientierung an den Tugenden der Maschine sichtbar macht. Wird die Forderung nach Systematizität überzogen, verflacht sie die Erfahrung, verdrängt kontextempfindliche „dichte“ Begriffe und droht in blosse dogmatische Mechanik umzuschlagen. Das Buch bietet damit einen Rahmen, um sowohl den unverzichtbaren Wert der Systematisierung des Denkens als auch die Notwendigkeit ihrer Begrenzung zu verstehen.

Systematizität, Genealogie, frühneuzeitliche Philosophie, begriffliche Bedürfnisse, Rationalismus, Autorität